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Alpamare Bad Tölz
READ'IN'FINITY
2020
Bibliothek der Hochschule München
Bronze, Spiegel, Türobjekte

→ www.kunstguss.net


If the doors of perception were cleansed, men would see the world as it is: infinite
William Blake

READ’IN’FINITY

Die langestreckte Grünfläche vor dem Erweiterungsbau der Hochschulbibliothek, bepflanzt mit 14 Bäumen, ist LESEHAIN benannt. Damit ist als Gegenüber des Wissensspeichers Bibliothek die Natur aufgerufen.
Vom Gebäude aus gibt es für die Lesenden keinen direkten Zugang in diesen Lesehain. Der fulminante Lesesaal, die Perspektive der Wissenschaft, verlockt mit der Aussicht auf dieses Stück Natur, aber nur über einen Umweg kann man dorthin gelangen. Dieser merkwürdige Umstand spiegelt gut die verhinderte oder gebrochene Beziehung des Menschen zur Natur.

Im Lesehain sind einander gegenüber zwei Türen aufgestellt. Hinter der die Wiese einteilenden Sitzbank sind sie noch einmal Element der Architektur und betonen gleichzeitig den Zugang zur Natur.
Die Fläche der Tür, die dem Gebäude zugewandt ist, nimmt die Fassadengestaltung auf, das Türblatt ist eine Holz-Verbundplatte mit dunkelgrauer Rahmung aus Metall. Das der Lazarettstraße mit Zaun aus dem 19. Jhdt. zugewandte Türblatt ist eine historisierende eichene Kassettentür, wie es sie am alten Gebäude, das hier einmal stand, gegeben hat.
Die einander zugewandten Flächen der beiden Türen sind Spiegel. Zwischen den Spiegeln steht die Figur eines Menschenaffen.
Die Türen zitieren also „nach außen“ einmal die Gegenwart – Bibliotheksneubau, und einmal die Vergangenheit – historisches Lazarettgebäude. „Nach innen“ öffnen sie einen Eindruck der Unendlichkeit, in dem sich Betrachter gemeinsam mit ihrer evolutionären Herkunft, dem Menschen-affen, vervielfacht spiegeln.
Der Spiegel wirft den Erkenntnis suchenden Menschen auf sich selbst zurück und formuliert die Grenze aller Erkenntnis durch den Menschen selbst. Bei aller Akkumulation von Wissen – man weiß immer nur so viel, wie man gerade weiß.
Das dem Menschen am nächsten stehende Wesen aus der Natur ist der Affe. Er ist Symboltier für Wissen und Neugier. Halb aufgerichtet, als sei er ein neues Potential auf dem Weg der Evolution hin zum Menschen, quert er freundlich und entspannt, wie zufällig den Raum zwischen den Türen und blickt flüchtig in einen der Spiegel.

READ’IN’FINITY stellt die Gegenwart von Ort und Betrachter in Bezug zur jüngeren und zur unendlichen Vergangenheit und ist eine Reflektion über das Verhältnis Mensch – Wissenschaft – Natur. Das Kunstwerk erinnert sowohl an die Endlichkeit des Wissens, als auch an die Unendlichkeit der Natur und des Nicht-Wissens. Der Eindruck der Unendlichkeit, den READ’IN’FINITY ermöglicht, evoziert Gedanken zur Entwicklung des Menschen, seiner Zugehörigkeit zur Natur und seiner Einzigartigkeit als lesender und lernender Mensch.

Der englische Titel READ’IN’FINITY ermöglicht zwei Lesarten:
‚Unendlichkeit lesen‘ oder ‚in Endlichkeit lesen‘.